Neulich habe ich erfahren, dass einer meiner sehnlichsten Träume nicht in Erfüllung gehen wird, bevor ich nicht zum Friseur gehe: Mit roten Haaren darf ich kein Schiff taufen. Ein grünes Kleid ist übrigens auch nicht erlaubt, das würde aber hervorragend zur Haarfarbe passen. Was sind das denn bitte für seltsame Traditionen?!

Eigentlich wäre ich die perfekte Namensgeberin für ein Schiff, wie nachfolgende Argumentationskette belegt:

Erstens: Ich fülle ein Abendkleid sinnlich aus.

Zweitens wäre ich eine dankbare Abnehmerin des Schmucks, den die Taufpatin als Entlohnung geschenkt bekommt.

Drittens: Ich habe nicht vor, schwanger zu werden (Ausschlusskriterium in Frankreich, wo jedoch Argument Nummer Eins vermutlich auch kontraproduktiv wäre.)

Viertens: Das Wort „Kaninchen“ kommt in meinem Sprachgebrauch nicht vor. (Diese Regel ist ungefähr so sinnvoll, wie das Verbot roter Haare!)

Und last but not least: Ich kenne mich mit Schiffen aus!

Unverständlicherweise hat mich noch keiner gefragt, ob ich seinem Neubau die Ehre erweisen möchte. Stattdessen geben sich die Reedereien mit B-Ware zufrieden: Der deutsche Marktführer greift in der Taufpatinnen-Kartei des Öfteren auf Models zurück. Diese sagen dann allerdings schon mal so passende Dinge wie: „Eigentlich interessiere ich mich überhaupt nicht für Schiffe.“ Das wäre bei mir definitiv nicht der Fall.

Gibt man sich mit angeheirateten Mitgliedern der Königsfamilie zufrieden, zerbricht die Champagnerflasche unter Umständen nicht. So geschehen bei der Taufe der „Queen Victoria“ durch Camilla. Also ich habe noch jede Prickelbrause aufbekommen. Im Zweifelsfall würde ich sogar einen großen Schluck Palmwein in den Mund nehmen und gegen das Schiff spucken, wie es bei Taufen in Afrika üblich ist.

Wie logisch die „Vorschriften“ für Schiffstaufen sind, zeigt allein die Tatsache ihrer Wandlungsfähigkeit: Während früher ausschließlich Männer Schiffstaufen durchführten, gilt es inzwischen als Glücksbringer, wenn dies durch Frauen geschieht. Einziger Beleg für diese These: Die „Deutschland“, getauft durch den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, fährt nach dessen Tod schnurstracks in die Zwangsversteigerung.

Vielleicht wird die Regel mit den roten Haaren ja auch eines Tages umgewandelt: Wenn dann ausschließlich rothaarige Frauen Schiffstaufen durchführen dürfen, steigen meine Chancen angesichts von lediglich ein bis zwei Prozent naturroter Schöpfe exponentiell. Auf das grüne Kleid würde ich auch freiwillig verzichten, vorausgesetzt Guido Maria Kretschmer hat eine schicke Alternative zu bieten.