Das Wasser glitzert, die „Mutti“, wie die „Europa“ von ihren Crewmitgliedern liebevoll genannt wird, dreht sich langsam, sodass ich in der Sonne liege. Nach der Partynacht auf Mykonos gestern habe ich heute mal das Spätaufsteherfrühstück getestet. Da saßen tatsächlich noch einige Leute um elf. Ich glaube, die essen einfach den ganzen Tag und warten auf den Tod.

Auf nach Naxos! Die Insel hat ihren ganz eigenen Reiz. Ich habe eine ganze Weile nach dem Kastro gesucht, bevor ich verstanden habe, dass ich bereits darin herumlaufe. Verwinkelte Gassen, Treppen, die ins Leere führen, verlassene Häuser und solche, die liebevoll mit Blumenkübeln dekoriert sind. Die Stille wird nur durch das Summen der Bienen oder Wespen unterbrochen und vielleicht durch das Gurren der Tauben.

Klavierklänge aus einem der Befestigungstürme. Darin befindet sich das venezianisch-byzantinische Museum, wo ein 14-jähriges Mädel an einem 130 Jahre alten Klavier übt. Herrlich, dieses „altmodische Museum“ mit Gegenständen des täglichen (wohlhabenden) Lebens. „Nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie möchten“, sagt Museumswärter Andre im Untergeschoss. „Und wenn Sie etwas kaufen möchten, kommen Sie damit einfach wieder zum Eingang.“ Ich hätte ihre komplette Schmuckvitrine leerräumen können. Wieder einmal bin ich erstaunt und beschämt, wie sehr andere im Vergleich zu mir vertrauen können.

Die Katzen scheinen die einzigen Bewohner von Naxos zu sein.

Die Katzen scheinen die einzigen Bewohner von Naxos zu sein.

Es ist wieder soweit: Ich fotografiere Katzen, Hauseingänge und Blumen. Zeit zur Anlegestation der Tender zurückzukehren. Schnell noch ein Abstecher zum Apollon-Heiligtum, da sehe ich, dass einige sich schon ins Wasser trauen. Nachdem der Chefbarkeeper mit den unglaublich blauen Augen auch vom Schwimmen schwärmt, bin ich überzeugt und kehre mit Bikini und Handtuch an die Stelle zurück. In der Sonne sitzen, nichts denken und beinahe einschlafen – herrlich. Zuletzt traue ich mich auch noch ganz ins Wasser und versuche, mich warmzuschwimmen, was allerdings nicht wirklich funktioniert. Die Sonne versteckt sich hinter dünnen Wolkenschleiern, ein Fischerboot fährt, umkreist von Möwen, aufs Meer hinaus. Idyllisch.