Einem Sonnenuntergang, wie er farbenprächtiger nicht hätte sein können, folgt ein Sonnenaufgang der leisen Töne. Isis versteckt sich hinter den Wolken und lässt ihre Strahlen lang über die Vulkanberge von Santorin gleiten – ein Spiel von Licht und Schatten. Ganz langsam tastet sich die „Europa“ vor in die Caldera, den Vulkankrater, der immer weiter in sich zusammenfällt. An manchen Stellen ist das Wasser nur 2,5 Meter tief.

Produktmanagerin Gabi Haupt darf die Ankerkette an steuerbord werfen. Sie drückt aufs Knöpfchen und ein Rumpeln geht durch das Schiff. „Der Anker hält allein durch sein Gewicht das Schiff“, erklärt Kapitän Mark Behrendt. Nach den ersten 80 Metern wird gestoppt und geschaut, wie sehr sich das Schiff noch bewegt. Nachlegen.

Ich lade in der Kabine die Fotos auf den Mac, kurz darauf klopft es an der Kabinentür. Ein junger Mann und ein Mädel stehen vor der Tür, sie balanciert ein riesiges Tablett, das gerade so durch den Flur passt. Darauf steht mein Frühstück: Tee mit Milch, ein Fünf-Minuten-Ei, Lachs, Serranoschinken, Körnerbrötchen und Honig mit Quark. Sie breiten eine Decke auf dem Tisch auf, da es mir draußen zu kühl ist, und beginnen, Teller und Schalen liebevoll zu drapieren. In meinem Kopf taucht der Satz auf „Und das alles nur für mich.“

Das ist Luxus. Ebenso, wie die Tatsache, dass wir tatsächlich heute das einzige Kreuzfahrtschiff vor Santorin sind. Die Wahrscheinlichkeit ist ungefähr so hoch wie die eines Lottogewinns. Zum ersten Mal besuche ich Ia, es ist noch ein wenig reizvoller als die Inselhauptstadt Thira. Die Restaurants mit Blick übers Meer rufen saftige Preise auf, für den vulkanisch schmeckenden Weißwein. Aber der Oktopus in Kaktusfeigensoße war jeden Cent wert. Am Abend dann ein sehr schaukeliges Übersetzen für den Flughafentransfer.

Vom Kleinbus aus sehen wir, wie die „Mutti“ die Caldera volle Kraft voraus zu verlassen scheint. Es stimmt mich immer ein wenig melancholisch, wenn ich nach einigen Tagen an Bord das Schiff wegfahren sehe – ohne mich. Schiffe haben deutlich mehr Charakter als ein Hotel. Das liegt wohl daran, dass sie für viele Menschen ein temporäres und für die Crew gar ein mittel- bis langfristiges Zuhause sind. Bye bye Europa, ich komme wieder!