Im Flieger nach Palma de Mallorca versuche ich, mich seelisch auf die Metal Cruise vorzubereiten. Die Klassik-Playliste ist einmal durch, vielleicht sollte ich schon mal auf etwas Härteres umschalten. Ich freue mich darauf, den Tag über am Pool zu sitzen und zu beobachten, wie die Metalheads das Schiff erobern. Sich erst einmal staunend umsehen und dann recht schnell heimisch werden – so stelle ich es mir jedenfalls vor. Es wird spannend, mal nichts von der üblichen Kreuzfahrtkonvention an Bord zu finden. Ob der Spabereich überhaupt frequentiert wird? Das Zuzahlrestaurant? Ob es alkoholbedingte Ausfälle geben wird?

Als mögliche Headline schwebt mir vor: „Das Schiff schläft nie“. Selbst nachts um halb drei sind Konzerte, meine Kabine liegt zum Glück recht weit achtern. Am Flughafen habe ich eben kurz überlegt, mir zu Recherchezwecken eine Metal-Zeitschrift zu holen. Ob im Flieger schon fleißig vorgeglüht wird? Andererseits: Selbst die „Spießer“ haben heute morgen um halb sechs am Flughafen schon Bier und Wein bestellt – oder immer noch?

12 Uhr – Der erste Eindruck ist erstaunlich bunt gemischt: Väter mit Söhnen, Altmetall und Jungspunte. Im Transferbus sitzt vor mir eine Metalmutti, die Altersflecken auf dem Handrücken passen farblich zur goldenen Bierdose. Noch nie haben sich bei einem Check-in die Bierflaschen dermaßen gestapelt. Von einer abreisenden Passagierin hört man: „Die machen mir ja schon ein wenig Angst, wenn ich die so sehe…“. Die bösen, schwarzen Fan-Shirts wirken ja auch gefährlich. Harmlos dagegen die Fanshirts der ersten und der zweiten „Full Metal Cruise“. Viele scheinen sich schon von den früheren Reisen zu kennen.

Knallhart wird das Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet: „Für das, was eine Außenkabine mehr kostet, hänge ich mir jeden Tag ein Poster an die Wand.“ – „Von wem?“ – „Ist doch egal.“ Die günstigste Kabine kostet 799 Euro ohne Flug, für fünf Tage. Eine ebenso lange Kurzreise nach Southampton und Le Havre ist 100 Euro günstiger. Dafür kommen hier aber auch 80 Tonnen Technikequipment an Bord – und 32.000 Liter Bier (zusätzlich zum normalen Vorrat!).

14.20 Uhr – Die ersten taumelnden Menschen kommen mir entgegen. Sonnenbrand inklusive. Ich sollte demnächst wohl mal etwas Alkoholisches trinken, um die weitere Entwicklung gelassen hinzunehmen. Habe ein wenig Sorge, wie die Gäste am Abend drauf sind, wenn sie schon 15 Stunden getrunken haben. Der Frauenanteil ist nicht sehr hoch. „Maschine“ macht alle Ansagen zum Metalprogramm, auf Deutsch und Englisch. 20 Bands seien an Bord, alle Bands spielen mehrmals, man kann also nichts verpassen. Ein Steward erklärt, dass sich die Crew total auf die Reise freuen würde. Irgendwie wundert mich das, es ist doch mit viel mehr Arbeit verbunden… Da muss ich nochmal nachhaken. „Let’s rock and roll“ sagt der Käpt’n. Windstärke Fünf von Steuerbord ist angesagt.