Neugierig statte ich dem Bordhospital einen Besuch ab. Zwei Ärzte und zwei Schwestern haben immer abwechselnd Dienst und noch nicht viel zu tun. Ein wenig Seekrankheit (wohl eher eingebildet, es wackelt wirklich kaum) und Grippe. Heute Nachmittag stehen ein paar Bands und Interviews auf dem Programm. Erstmal geht es jetzt aber zur Fashion-Metal-Show. Der Dauertrend Nieten und Netzstrümpfe hat sich seit meinem Studium nicht verändert.

17.30 Uhr – Beobachtungsposition auf dem Sonnendeck: Lautes Grölen auf der Poolbühne. Der Bauch des Sängers hat den Kampf gegen das T-Shirt mit der Aufschrift „Beer – Sex – Murder“ eindeutig gewonnen und bewegt sich im zeitverzögerten Rhythmus der Musik. Jetzt weiß ich die Ohrstöpsel aus dem Begrüßungsset zu schätzen! Szenenwechsel: Nun ist eine Art Walzer zu hören. Der Pool füllt sich mit Menschen, die Straßenkleidung tragen und Biergläser schwenkend versuchen, Pirouetten zu drehen – eine lustige Form des Wasserballetts.

später – Nach einigen Gläsern Weißwein halte ich sogar die Death Metal-Band „Endstille“ für zehn Minuten aus. Die diabolische Bemalung im roten Bühnenlicht darf man nicht verpassen. Die Songs bestehen im Wesentlichen aus Urlauten. Die Fans lassen sich von Bandmitgliedern glücklich ihr eigenes Bier in den Mund kippen, alles ist gut. Nur fünf Minuten später am anderen Ende des Schiffs spielt die Pressgäng herrlich harmlose Funshantys.

Bei der Jamsession lerne ich Barbara kennen. Sie steht eigentlich gar nicht so auf Metal, aber es gefällt ihr sehr gut an Bord: prima Stimmung, nette Leute. Auf eine normale Kreuzfahrt wolle sie aber nicht gehen, dafür sei sie zu individualistisch. Beim Voraufenthalt im Hotel traf sie andere Gäste ihres Alters, die sich wegsetzten. „Die waren so spießig“, resümiert die 63-jährige.