Morgens habe ich doch leichte Probleme aus dem Bett zu kommen. Vielleicht hätte ich beim letzten Longdrink auf die Frage „viel, wenig oder normal?“ nicht „normal“ antworten dürfen, das war eine sehr ordentliche Mischung. Beim Frühstück treffe ich auf den ersten medizinischen Ernstfall an Bord. Nach dem Doro-Konzert wollte er in den Pool springen, rutschte aus und brach sich die Speiche. Gestern wurde der Bruch im Krankenhaus von Barcelona gerichtet. Deswegen war der Pool beim Hammerfall-Konzert gestern Abend mit einem Netz abgedeckt.

Ich regeneriere im Spa. Die Schlammpackung wurde exklusiv für die Full Metal Cruise wiedereingeführt. Schließlich geht es beim Vorbildfestival „Wacken“ an Land auch recht oft schlammig zu. Im Behandlungsraum Eins geht es weniger entspannt zu: Die Tätowiererin hat bereits das fünfte Full Metal Cruise Logo gestochen und hofft auf eine weiterhin ruhige See. Vom leichten Schunkeln gestern ließ sich ihre Nadel nicht beirren, aber ein wenig schummrig ist der 25-jährigen schon geworden, konzentriert sie sich doch aufs Motiv.

Anschließend Bildung: Ein Grafikvortrag zur Entstehung von Covermotiven. Interessant, dass sich sogar Metalbands bei alten Kirchenmalern bedienen. Melissa van Fleet heult ich Casino vor sich hin und es ist gar nicht mal leer in der Raucherhöhle. Draußen strahlender Sonnenschein und noch immer Landgangszeit, aber die Metalheads sitzen da und machen einen betroffenen Eindruck. Sind halt doch liebe Kerle. Genial auch das Mädel, das selbst in diesem dunklen Raum noch eine Sonnenbrille trägt.

Ich döse von der Sonne verwöhnt in meiner Hängematte, als ein sanftes Zittern durch das Schiff geht. Nach einer lauen Nacht und einem vorbildlichen Frühlingstag in Barcelona endlich wieder hinaus aufs Meer. Mit frischen Bands und noch mehr Bier an Bord. Kaum ist der Lärm des Hafens passé, schlagen die Metaller auch wieder zu. Das Plätschern des Wassers hört hier niemand, glaube ich. Großartig ist jedoch das Miteinander. Die Crew darf ihre Gäste ausnahmsweise duzen und sich auch Konzerte ansehen und die Metaller machen ihre Betten selbst, wie die Hoteldirektorin berichtet.