Ab Oktober weht auf der EUROPA von Hapag-Lloyd Cruises ein frischer Wind: Nach einem zweiwöchigen Werftaufenthalt in Hamburg ist die Zeit der festen Essenszeiten und Tischplatzreservierungen im Restaurant vorbei. Das Kapitänsdinner mit Smoking und Abendkleid wird der Vergangenheit angehören. Es ist quasi das Ende einer Kreuzfahrt-Ära, denn die EUROPA ist eines der letzten Schiffe mit ganz klassisch interpretierten Kreuzfahrttraditionen.

„Die Wünsche der Gäste haben sich grundlegend verändert“, sagte Geschäftsführer Karl J. Pojer beim Pressegespräch am Dienstag in Hamburg. „Deswegen haben wir uns für eine Evolution der Europa-Etikette entschieden.“ Ein mutiger Schritt, denn viele Passagiere der EUROPA gehören der gesellschaftlichen Elite an, die teilweise sehr traditionell ist. Ob es wohl Beschwerden über die freie Sitzplatzwahl geben wird? Vermisst manche Lady die Abende, an denen sie früher ihre ganz große Robe ausführte?

„Unsere Marktforschung sagt das Gegenteil“, sagt Pojer. Demnach wünschen sich drei Viertel der Kreuzfahrtgäste eine legere Kleiderordnung, auch haben sich mehr als zwei Drittel für eine freie Sitzplatzwahl ausgesprochen. Und auf eine lockere Atmosphäre und ein vielfältiges kulinarisches Angebot legen sogar 82 Prozent großen Wert. Diesen Wünschen kommt Hapag-Lloyd mit Veränderungen im Restaurantkonzept nach.

Zwei neue Restaurants gehen auf Kreuzfahrt

Der Drei-Sterne-Koch Kevin Fehling löst Dieter Müller mit einem neuen Restaurant namens „The Globe“ ab. Die hochkarätigen Menüs sind durch die Kreuzfahrten aus seiner Zeit als EUROPA-Chefkoch inspiriert. Neu an Bord kommt das Außenrestaurant „The Pearls“ mit Seafood und Tapas. Im Hauptrestaurant wird die Zahl der Zweiertische nahezu verdoppelt und beim Italiener „Venezia“ gibt es künftig 50 statt wie bisher 36 Plätze. Und: In allen fünf Restaurants gelten längere Öffnungszeiten.

Ein All-inclusive-Konzept wird es aber auch nach dem Umbau nicht geben. „Unsere Gäste reisen auf einem Niveau, auf dem es auch wichtig ist, mal jemanden zu einer guten Flasche Wein einladen zu können“, sagt Pojer. Tatsächlich sind für die gut betuchte Kundschaft Kreuzfahrten mit der EUROPA ein Statussymbol wie der Porsche in der Garage und die Rolex am Handgelenk. Die Beschwerden werden sich daher wohl in Grenzen halten, denn wer verzichtet schon gern auf ein Luxus-Aushängeschild?

Der neue Katalogtitel verkörpert das Lebensgefühl der neuen Generation 60plus. Daneben wird es aber auch noch ein klassisches Motiv geben. (Foto: Hapag-Lloyd Cruises)

(Foto: Hapag-Lloyd Cruises)

„Wundert euch nicht, wie wild wir noch sind“

Außerdem scheint sich die Kundschaft tatsächlich verändert zu haben. Wahrscheinlich ist es wirklich so, wie man häufig hört: 70 ist das neue 60, 60 das neue 40. Ein Feedback aus der Umfrage lautete wohl wörtlich: „Wundert euch nicht, wie wild wir noch sind.“ Passen dazu kommt auch gleich noch ein neues Fitnessprogramm an Bord. Und beim legendären Gourmetevent „Europas Beste“ fährt im Sommer 2019 unter anderem einen Foodtruck namens „Heißer Hobel“ mit Spätzle vor. Es muss nicht immer nur Kaviar sein.

Die Passagiere dürfen also gespannt sein. In diesem Jahr sind gerade mal noch auf zwei Kreuzfahrten Kabinen buchbar. Und auch für nächstes Jahr sieht die Buchungslage bereits sehr gut aus, obwohl der neue Katalog ab Mai 2020 erst in dieser Woche erschienen ist. Mit mutigen Covermotiven, die die neue Generation der „wilden“ Senioren mit einem Augenzwinkern abholt. Chapeau!