Mit nur 100 Anläufen pro Jahr zählt Menorca zu den Geheimtipps der Kreuzfahrtdestinationen. Während der Norden der Insel von Bergen geprägt ist, schließen sich an das sanfte Hügelland des Südens lange Sandstrände an. Die Schiffe legen in der Inselhauptstadt Mahón (Maó) im Südwesten an und bleiben meist nur einen halben Tag. Ein Ausflug in den nahegelegenen Naturpark S‘Albufera de Es Grau ist dennoch ein Muss.

Die Altstadt Mahóns liegt auf einem Felsplateau und ist vom Schiffsanleger aus über einige Treppen fußläufig erreichbar

10 Uhr – Mahón entdecken
Frühes Aufstehen lohnt sich: Das Einlaufen in den größten Naturhafen des Mittelmeers bietet viele schöne Fotomotive. Der Kreuzfahrtanleger von Mahón liegt am Ende der über fünf Kilometer langen Bucht und kann gleichzeitig drei Schiffe mit bis zu acht Meter Tiefgang empfangen. Die Cafés auf der Hafenpromenade laden zu einem menorquinischen Frühstück ein, was allerdings nicht jedermanns Sache ist: Es besteht aus einem starken schwarzen Kaffee und einem Glas Gin. Eingeführt wurde diese Tradition unter der britischen Verwaltung im 18. Jahrhundert. In dieser Zeit entstand auch der reizvolle Architekturmix aus englischen Hausfassaden und katalanischen Elementen.

_Menorca_Mahon_Can_MarDie Sehenswürdigkeiten der Inselhauptstadt mit rund 30.000 Einwohnern liegen nur wenige Meter vom Pier entfernt: Durch das einzige erhaltene mittelalterliche Stadttor Puerta San Roque (erbaut um 1500)  betritt man den Altstadtkern mit dem Rathaus und der Hauptkirche Iglesia de Santa Maria, berühmt für ihre Orgel aus dem 18. Jahrhundert. Vom Hauptplatz Plaça de Esplanada gelangt man durch die Fußgängerzone zum Markt. Er liegt unter dem alten Kreuzgang eines ehemaligen Klosters an der Iglesia del Carmen und bietet eine gute Aussicht auf den Hafen. Traditionelles Mitbringsel sind handgefertigte Lederschuhe.

Der katalanische Jugendstil prägt die Gebäude Mahóns – so etwa das Can Mir.

 

Menorca_SAlbufera12 Uhr – Stille im Naturpark
Es duftet nach Pinien und außer dem Zwitschern der Vögel ist nichts zu hören – der Naturpark S‘Albufera de Es Grau bietet ganz in der Nähe der Inselhauptstadt Natur pur auf 1947 Hektar. Menorca gilt als schöne Schwester Mallorcas: Da fast die Hälfte der Insel unter Landschafts- oder Naturschutz steht, ist ihr Erscheinungsbild viel ursprünglicher. Auch S‘Albufera de Es Grau ist als Vogelschutzzone seit 1993 ein wichtiges Biosphärenreservat. Die Lagune im Herzen ist das geologisch älteste Gebiet der Balearen, ein Spaziergang durch die Dünen führt zu den langen Sandstränden des Mittelmeers.

Wer vor der Trockenzeit (Juni bis September) durch den Naturpark S‘Albufera de Es Grau wandert, wird mit satten Grüntönen belohnt.

Exkurs – Geburtsort der Mayonnaise
Die Mayonnaise soll ihren Ursprung in Mahón haben. Eine eifrige Hausfrau war nach Erzählungen in die Verlegenheit gekommen, den Herzog von Richelieu zu beköstigen, dessen Truppen die britische Besatzung besiegten. Die Vorräte der Dame seien jedoch karg gewesen, so dass sie dem Adligen zunächst nur trockenes Brot anbieten konnte. Auf seine Beschwerde hin verschwand sie noch einmal in der Küche und rührte aus Eiern, Öl und Knoblauch eine kalte Soße zusammen. Ihr Gast war begeistert und machte das Rezept in Frankreich bekannt.