Frage: Warum ist auf dem Olivenöl ein Esel abgebildet? Antwort: Wir sind in Griechenland.

Frage: Warum ist auf dem Olivenöl ein Esel abgebildet? Antwort: Wir sind in Griechenland.

Heute morgen waren wir mit dem Küchenchef der „Europa“ einkaufen. Nicht, dass es notwendig gewesen wäre, einfach aus Spaß an der Freude. Thorsten Gillert besaß früher in Hamburg ein Restaurant namens „Artisane“. Jetzt hat er freie Hand auf der „Europa“. Seine Küche lässt sich nicht in die klassichen Stilrichtungen einordnen. Die Basis ist französisches Handwerk, aber er kombiniert immer wieder neu und nutzt dabei gern ungewöhnliche Gewürze. Heute kauft er beispielsweise Mastix, ein für die griechische Insel Chios ganz typisches Produkt. Deutsche Liferollenspieler nutzen das Harz des Pistazienbaums, um sich Elfenohren anzukleben, Gillert verleiht damit seinem Sorbet eine rauchige Note. Zuviel dürfe man nicht verwenden, verrät er: Mastix habe eine berauschende Wirkung. Außerdem wählt der Hamburger in dem griechischen Spezialitätengeschäft getrocknete Fischhoden aus. Sie passen zur griechischen Pasta, die sich beim Kochen zu einer Suppe auflöst. Inklusive Salz und Olivenöl mit Mastix-Aroma stehen auf dem Kassenzettel rund 400 Euro.

15 Kilogramm Kapern gefällig?

15 Kilogramm Kapern gefällig?

Weiter geht es zu einem Käseladen. Zehn kleine Leiber regionaler Ziegenkäse machen 119 Euro. Steffen Luboch, Hotel Inventory Controller, weist den Chefkoch auf das Fass mit Kapern am Ausgang hin. Diese hat der Manager, der für die Vorräte an Bord zuständig ist, auch über den Hafenagenten angefragt. Ebenso wie Balsamicoessig und Vanilleeis. Manchmal gehen auch zwischen den monatlichen Lieferungen der Reederei einzelne Positionen der 1.500 Positionen umfassenden Lebensmittelliste zur Neige. Gillert handelt kurzentschlossen: „Kann ich die Kapern auch kaufen?“ – „Das ganze Faß?“, fragt der Ladeninhaber ungläubig. „Ja.“ – „Das macht dann noch einmal 150 Euro, es sind 15 Kilo. Möchten Sie probieren?“ – „Nein danke, ich weiß, wie die schmecken.“

Eine Ecke weiter erweckt ein etwa sechs Quadratmeter großer Fischladen Gillerts Interesse. Er entscheidet sich für zehn Kilogramm Oktopus und weitere zehn Kilogramm Rotbarbe, ein Warenwert von 160 Euro. Freudestrahlend präsentiert die Verkäuferin die weitere Auslage und schenkt Gillert zu guter Letzt eine Kiste Holzmakrelen. Für ein Essen im Hauptrestaurant reicht das Angebot noch nicht aus. „Da bräuchten wir 40 bis 50 Kilogramm“, erklärt Gillert. Aber am Lidobuffet werden damit einige Passagiere satt. Dass der Fisch nicht auf Eis liegt, stört Gillert nicht, eher im Gegenteil: „Das zeigt, dass er frisch ist“, erklärt der 48-jährige.

"Wie heißen Sie auf Facebook?"

„Wie heißen Sie auf Facebook?“

Beim Metzger hängt ein gehäutetes Lamm im Schaufenster. Gillert lässt sich vom würzigen Duft anlocken und entscheidet sich rasch für die traditionelle, griechische Bratwurst. Immer wieder fragt der Verkäufer, wieviel Kilogramm er denn haben wolle. „One kilo? Five kilo?“ Er nehme den ganzen Ständer deutet Gillert. 8,5 Kilogramm machen 70 Euro. Der Verkäufer ist glücklich: „Wie heißen Sie auf Facebook? Ich möchte sie liken!“

50 Köche und Hilfskräfte arbeiten unter Gillerts Kommando. Das Menü wechselt täglich und wird immer wieder spontan variiert – je nach Reife der frischen Zutaten, oder aber auch nach dem Wetter. Diese Freiheit schätzt Gillert an seinem Job. „Ich habe keine festen Rezepte“, erklärt er. „Da ist ein Geschmack in meinem Kopf und den versuche ich zu treffen.“ Um so frei arbeiten zu können, ist eine gute Verständigung mit dem Team wichtig. Mehr als 60 Prozent seiner Mitarbeiter sind deutschsprachig, eine Ausnahme auf den Kreuzfahrtschiffen dieser Welt.

Vier Monate arbeitet Gillert mindestens zwölf Stunden am Tag, dann hat er zwei Monate frei. Im Urlaub besucht er gerne moderne Restaurants mit innovativen Konzepten. „In Peru habe ich mal ein Sorbet gegessen, das mit südamerikanischen Flechten versetzt worden war“, schwärmt Gillert. „Da hat man richtiggehend das Land geschmeckt.“ Aber es darf auch gerne mal bodenständig sein. Wenn er jetzt in Hamburg wäre, würde er Spargel essen oder Holsteiner Katenschinken, lächelt er. Doch jetzt geht er erst einmal zurück aufs Schiff, um das das griechische Büffet im Lido heute Abend vorzubereiten.